Freitag, 19. August 2016

Lost Places #8 - Porzelline Freiberg

Im Moment noch unter erschwerten Bedingungen im Netz, möchte ich aber trotzdem an der Tradition festhalten, jeden 20. im Monat die Lost Places zu posten.

Diesmal habe ich bei dem ersten Gebäude des Freiberger Porzellan, auch Porzelline genannt, vorbeigeschaut oder besser gesagt, bei dem, was noch übrig ist. Der größte Teil wurde 2011 abgerissen.



Das erste Porzellanwerk Freibergs wurde 1904 als Zweigniederlassung der Kahla AG gegründet. Die Stadtverwaltung unterstützte das Unternehmen, um die vielen freiwerdenenden Arbeitskräfte aus dem Bergbau unterzubringen.
Dafür wurde 1904-06 an der Frauensteines Straße ein moderner, architektonisch bemerkenswerter Industrieneubau mit sechs Rundöfen und einem eigenen Dampfkraftwerk errichtet. 

Vorne Mitte, heutiges Landratsamt, Ecke hinten heute ein Lost Place






Hier wurde zunächst elektrotechnisches Porzellan, wie Hochspannungsisolatoren, produziert und seit 1924 zusätzlich Haushaltsporzellan. Die Formen Mathilde, Toskana, Paula und Niemayer entstanden zwischen 1924 und 1929.



1932 wurde das Werk aufgrund der Weltwirtschaftskrise stillgelegt, was erhebliche soziale Auswirkungen auf die Stadt Freiberg hatte. Immerhin wurden zuletzt 770 Beschäftigte gezählt.




Von 1932 bis 1945 wurde kein Porzellan mehr in Freiberg gefertigt. Zur Neugründung 1945 zogen die Freiberger Porzellanwerke in das Gebäude der ehemaligen Hildebrandschen Werke, siehe Lost Places #7.



Dafür befand sich aber im Gebäude seit 1943 unter dem Tarnnamen Freia GmbH, ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke Potsdam-Babelsberg, das zu einem führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte. Da hier etwa 6000 Arbeitskräfte fehlten, bekam die Freia GmbH ein Außenkommando des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen, jüdischen Häftlingen bestand, die zu einem großen Teil aus Auschwitz/ Polen und der ehemaligen Tschechoslowakei kamen.
Mehr dazu u.a. auf der Webseite Juden in Mittelsachsen, Freiberg.




Der jüdische Werksleiter der Freiberger Porzellanwerke seit 1904 erhielt noch 1929 die Ehrendoktorwürde der Bergakademie. 1930 scheidet er aus dem Unternehmen aus, wird 1933 von der Ehrenliste gestrichen und begeht 1939 den Freitod. Seit 1996 erhielt das ehemalige Verwaltungsgebäude des heutigen, renovierten Landratsgebäudes eine Ehrentafel und er wurde wieder in die Ehrenliste aufgenommen. Seitdem ich vor ungefähr einem Jahr von der  Geschichte des Gebäudes erfuhr, bin ich doch sehr nachdenklich dort vorbeigelaufen. 

Das Gelände ist großräumig eingezäunt, so dass man nur aus der Ferne fotografieren kann. Hier die Rückansicht, total zugewachsen.





In einem Umbau mit Erweiterung wurden vor einiger Zeit moderne Loftwohnungen gebaut. 
Neues unmittelbar neben einer Ruine, die teilweise noch als Gewerbefläche genutzt wird. Das Eck ist noch recht gut erhalten. Preiswerte Gewerbeflächen...




So sah diese Ansicht 1913 aus...der Anbau ist höher geworden.


Der Lost Place befindet sich heute ca. ab dem Schornstein rechts, also das was man auf dem folgenden Bild von 1908 sieht.


Bilder und Angaben zur Geschichte aus dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg,
Sonderausstellung 'Weiße Diamanten'

Ein wenig von dem Geschirr kann ich euch dann ein anderes mal zeigen...

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Ich hoffe, dass das falsche Telekom-Kabel im neuen Haus bald in Ordnung kommt und ich auch wieder eure Blogs besuchen kann. Es kann noch dauern...Verlinkung ab 20.08. , 6 Uhr, möglich. Eigentlich wollte ich den Beitrag planen, hab ihn nun aber schon abgeschickt...



Mittwoch, 3. August 2016

Unter alten Platanen...

Am letzten Freitag wurde der Palaisommer, das Openair Kulturfestival im Dresdner Palaigarten, eröffnet. Den ganzen August findet hier unter den zwei uralten Platanen Kultur und Kunst statt. 
Eintritt wird für die Veranstaltungen nicht verlangt, eine kleine Spende ist aber erwünscht.

Nach langer Parkplatzsuche....immer ein Problem als Nicht-Dresdner....trafen wir etwas verspätet auf der großen Wiese zwischen Elbe und Japanischem Palais ein. Eugene Mursky, ein usbekischer Pianist, spielte bereits auf dem erhöht stehenden Flügel und wir suchten uns einen Platz in der Nähe der beiden riesigen Platanen mit Blick in Richtung Semperoper.








Ursprünglich wurde der Palaigarten 1715 als Barockgarten angelegt und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einen Nutzgarten der Hofgärtnerei umgewandelt.

Die beiden Platanen im Palaigarten wurden in dieser Zeit um 1770/80 angepflanzt. 
2013 muss eine der Platanen gebrannt haben, aber ich konnte nur zwei ziemlich gut aussehende Bäume entdecken....
Auch die Pilzkrankheit im Frühjahr des letzten Jahres schien ihnen nichts ausgemacht zu haben. Dann wirft eine Platane schon kurz nach dem Neuaustrieb ihre Blätter wieder ab, treibt dann aber meistens wieder neu aus.



Mursky spielte eine Stunde lang durch und es wurde langsam dunkel. In der Pause konnte man den Blick in Richtung Frauenkirche genießen...



...und die Kunstausstellung Pleinair besichtigen, Openair ausgestellte Kunst im großen Rundbogen vor dem Palais.


Zwei Bäume....die Platanen?


Viele Elbblicke, wie das Hochwasser von 2013 im folgenden, als die Brücke kaum noch zu sehen war.





Nachtschwärmer

Nach der Pause wurde im Dunkeln weitergespielt. Noch mal eine Stunde und Zugabe....
Es war eine traumhafte Stimmung bei herrlicher Musik.

Am Schluss noch mal an der angestrahlten Platane vorbei...was für ein Blätterdach!



Einen ganz kurzen musikalischen Eindruck habe ich noch für euch aufgenommen.....nur 1 Minute.




Die Platanen schicke ich zu Ghislanas Baumfreunden