Samstag, 30. April 2016

Monatsrückblick April

Das Wetter war chaotisch...alles da von Kaffee-im-Garten-draußen-trinken bis fast-die Daunenjacke-angezogen...:-)
Es war ein richtiger April, wie es sich gehört.
Aber wenn man genug andere Sachen zu erledigen hat, muss man sich gar nicht so sehr mit dem Wetter befassen...eher so am Rande.
Es war auch sonst ein sehr abwechslungsreicher Monat.

Im Garten ist noch nicht so viel los. Das Hochbeet ist bis oben voll und das Sandkastenbeet kann zum Square Foot Gardening durchstarten. Wegen Erfrierungsgefahr wurden größere Gartenarbeiten auf den Mai vertagt...:-)

Die vorgezogenen Tomaten, Paprika, Chili und Auberginen mussten von dem Außen-Mini-Gewächshaus wieder vorerst nach innen...es drohte der Totalverlust.
Der Monat endete heute mit einer weiteren Aussaatschlacht in der Küche...


Ich habe nun die Klopapierrollen zu sechst eingestapelt und dort die Stangenbohnen 'Blauhilde' und 'Goldfield' ausgesät.
Da ich noch kein Profi bin, musste das Samenbuch auf den Kochbuchständer...sehr praktisch.
Ich musste wieder mal feststellen, dass der Samen für mindestens 20 Gärten reicht...:-)

Die Tomaten machen bisher eine gute Figur..wahrscheinlich sind sie sich bewußt, dass nicht jede Tomate in so einem tollen Gefäß wachsen darf...:-)
Dosen-Tomaten.
Vor zwei Wochen waren sie noch winzig


und trotz Kälte sehen sie heute schon so groß aus
2x Paul Robeson..die 'schwarze' Tomate...:-)



Wir essen übrigens nicht so viel Eis.....aber die Holzstäbchen finde ich so praktisch zum Beschriften und man kann sie günstig bei eBay kaufen.


In den Papiertöpfchen aus der Stempelpresse sollen Erbsen wachsen.
Auf ihre Chance warten in den großen Töpfen noch Sonnenblumen, Zucchini, Butternut-Kürbis, Bautzener Kastengurke, eine Einlegegurke, Zuckermelone, Wicken, Trichterwinde....

Morgen geht es weiter. Dann muss aber das kleine Außen-Gewächshaus wieder gefüllt werden, sonst bekommt der GG die Krise.
Frei nach dem Motto...aus den Augen, aus dem Sinn....:-)

Nun eine Mini-Zusammenfassung vom April...keinesfalls reicht die Collage aus, um alles zu beschreiben, aber es soll ja nur die Stimmung etwas einfangen.
für Birgitt




Im April habe ich....

mich über die Tomatenanzucht gefreut, 
über die Ahornblüte gestaunt,
viele Frühjahrsblüher im Garten bewundert, wie das Frühlings-Gedenkemein oder die Traubenhyazinthen,
viele nette Leute kennengelernt und auf einigen Fotoausstellungen fotografiert,
dabei dem Bürgermeister die Hand geschüttelt...:-)

gestaunt über die volle Kronkorken-Sammelbox im Rathaus und darüber,
wie viel Freiberger Bier die Freiberger trinken...nun gibt es 10 000 EUR Spendengeld für ein soziales Projekt von der Freiberger Brauerei als Dankeschön.

Bei Iny Lorenz zur Buchlesung gewesen und zwei sehr sympathische Autoren kennengelernt,

bei Regen und Kälte zum Töpfermarkt ausgerückt und natürlich auch etwas mit nach Hause genommen,
und über die Spätzünder-Amaryllis gestaunt...lieber spät, als gar nicht oder?

*****

Ich habe einen wunderbaren Bio-Samengärtner besucht, der dem Bürgergarten ganz viel Samen gespendet hat und dabei seinen Naturgarten bewundert.







Ach...da war aber noch etwas.

Ich habe mich mit Ghislana im Café Momo getroffen und
Leutewitzer Eierschecke gegessen...:-) Eine ganz neue Variante der Eierschecken.
Die Freiberger ist flach und ohne Quark, mal mit Rosinen und mal mit Mandeln, manchmal auch ohne alles, rund oder eckig...,
die Dresdner ist dick und mit Quark

Leutewitz ist bei Dresden...Gretel?
Eierschecke mit Quark und oben drauf Beiser.

Man streitet sich ja hier, welche Eierschecke die Beste ist, die Freiberger oder die Dresdner....
nun gibt es noch Variante 3



Ghislana, staunst du jetzt, wo das Foto herkommt?
Wir hatten ja eigentlich vor lauter Quatscherei das Fotografieren vergessen...

Leutesitzer Eierschecke

Aber heute war sie mal wieder frisch gebacken...wer kann da schon widerstehen?





Mittwoch, 27. April 2016

Mein Freund der Baum

Noch kein Jahr ist mir das so aufgefallen, wie dieses Jahr. Die Ahornbäume scheinen sich gerade zu übertreffen mit ihrer gelben Blüte. Schön, wenn dann noch der blaue Himmel dazukommt. 
Nicht so oft im Moment, denn das Aprilwetter setzt uns ziemlich arg zu. 
Gerade mal 5 Grad hatte es heute...seit letzten Sonntag hagelt es ständig im Wechsel mit Regen oder Sonne.

Da Ghislana am Ende des Monats die Baumfreunde sammelt, schicke ich heute die Freiberger Ahornriesen zu ihr. 
Ahorn No.1 steht zwischen Stadtmauer und Kornhaus im Innenhof. 
Gestern hatte ich diesen Ausblick mit kurzzeitig blauem Himmel aus dem Fenster der Kornhaus-Bibliothek.


Petriblick aus dem Kornhaus

Ich hatte es mir gemütlich gemacht mit ein paar Zeitschriften und einem Kaffee zum Aufwärmen...:-)
Erst seitdem die Bibliothek ins Kornhaus umgezogen ist, macht mir das so richtig Spaß. 
Die Zeitschriften und Bücher sind eigentlich die gleichen geblieben...da sieht man, was das richtige Umfeld mental bewirkt.
Ich sage nur Feng Shui....:-)


Hier noch mal der alte Ahorn, der eigentlich aus 4 Stämmen besteht
Links vor einer Woche, rechts gestern


Das Gelb der aufgeschlagene Seite der aktuellen Land***Zeitschrift passte wunderbar dazu,
auch wenn ich gegen die Raps-Monokultur bin...aber das ist ein anderes Thema.
In der Vase sieht es super aus. 
Ob dann wohl die ganze Wohnung gelb ist, wenn die Blüten abfallen?



An einer anderen Stelle in der Turnerstraße gibt es viele alte Villen.
Im Hof entdeckte ich einen ebenso prächtig blühenden Ahorn.


Als wir vor 8 Jahren nach Freiberg ziehen mussten, schauten wir uns eine Wohnung im Erdgeschoss dieser Villa an. 
Leider war sie viel zu teuer für den umrenovierten Zustand. 
Vielleicht ist die Wohnung jetzt in Ordnung, wer weiß...:-)


Bei einem Baum wusste ich nicht, was es sein könnte...der folgende mit den senkrechten Blütenständen.



Mein Blick geht dann auf den Boden, auf der Suche nach alten Blättern.
Aus dem Gemisch bin ich aber nicht schlauer geworden.



Bloß gut, dass manchmal kleine Sämlinge zu sehen sind...so war der Ahorn wenigstens eindeutig bestimmt.
Um die rechte Pflanze zu erklären, muss ich erstmal meine Kräuterwanderung am Samstag abwarten. Da werde ich sicher einiges lernen.
Ich tippe auf Knoblauchsrauke...?



Aus dem Garten habe ich noch ein Foto für Ghislana, die letztens staunend vor meiner unbekannten Überraschungspflanze stand.
Ein weißes Silberblatt?


Ja, tatsächlich Weiß. 
Ich hatte es im Topf ausgesät, aber keine Ahnung woher ich den Samen habe.
An anderen Stellen blüht er überall in Lila.

In der Silberstadt mit berühmten Silbermannorgeln und dem Silbermannhaus kann man ja auch mal besonderes Silber im Garten haben...:-)

Traubenhyazinthen sind eine wichtige Nektarquelle im Frühjahr für die Insektenwelt,
genau wie das zeitig blühende Ahorn...ich vermute mal, dass es sich um das Spitz-Ahorn handelt, ein wichtiger heimischer Baum für die städtische Bepflanzung, der schon sehr zeitig ab Anfang April blüht.



Verlinkt zu Ghislana/ Jahreszeitenbriefe Mein Freund der Baum #38

Montag, 25. April 2016

Iny Lorentz zur Buchlesung in Freiberg

Letzte Woche gab es einen besonderen literarischen Höhepunkt in Freiberg. 
Iny Lorentz, das Münchener Autorenpaar, das einen historischen Bestseller nach dem anderen im Knaur-Verlag herausbringt, war am 18. April 2016 zu Gast in der Freiberger Nikolaikirche. 


Für einen guten Platz zum Fotografieren bin ich schon eine Stunde vorher erschienen, natürlich mit dem Buch zur Lesung ausgestattet, dass mir die Buchhändler-Schwester aus Leipzig bereits geschenkt hatte. 



Sehr vergnügt saßen die beiden bereits am Lesetisch und warteten auf die Besucher zum Signieren ihrer Bücher. Wer kein eigenes Buch dabei hatte, konnte sich natürlich am Büchertisch des Taschenbuchladen Freiberg eindecken.  
Nicht nur der Roman des Abends 'Die steinerne Schlange' war dort gestapelt, auch das neuste Buch der Texas-Reihe 'Der rote Himmel'.



Heike Wenige vom Taschenbuchladen Freiberg erhielt letztes Jahr den Deutschen Buchhändlerpreis.
Sie ist nicht nur sehr engagiert in ihrem Laden unterwegs, der wirklich unglaublich winzig ist....
sie organisiert  Veranstaltungen, wie Buchlesungen in Zusammenarbeit mit dem Kornhaus, Tivoli oder der Alten Mensa.
Im Handwerkerhof gibt es regelmäßig eine von ihr ins Leben gerufene Filmreihe.
Und bei Kultur am Mittag gibt es jeden 1.Dienstag des Monats, 12:10 Uhr, einen Künstler zu Gast im Laden.



Ich konnte in aller Ruhe, schauen, wie sich die Nikolaikirche langsam füllte, mir ein Glas Wein gönnen und fotografieren. Übertreiben wollte ich es allerdings nicht...schließlich bin ich ja nicht von der Presse. 



Die Stimmung war unwahrscheinlich locker und die beiden Autoren schienen immer einen Scherz auf den Lippen zu haben...:-) Ich hoffe, das kommt bei meinen Fotos etwas rüber. Ein unglaublich sympathisches Paar.


Auch Heike unterhielt sich freudestrahlend mit Iny Lorentz...
...eine echte Rheinländer Frohnatur, gebürtig aus Köln. 
Aber auch der fränkische Elmar war ziemlich gut drauf...:-)



Pünktlich um 19:30 Uhr startete die Lesung. 
Das Halbrund der Stuhlreihen um die ehemalige Kanzel hatte sich gefüllt bis auf den letzen Platz.




Wie man das von einem Autorenpaar fast erwartet, lasen beide im Wechsel aus ihrem dicken Roman, 'Die steinerne Schlange', der in Germanien im Jahre 213 n. Chr. handelt.

Germanien im Jahre 213 nach Chr. Die junge Gerhild, Tochter eines Stammesfürsten, ist eine mutige und standesbewusste Frau. Als der römische Statthalter Quintus ihren Stamm aufsucht und sie zur Geliebten fordert, sind ihre beiden Brüder zu ihrem Entsetzen damit einverstanden. Sie will sich jedoch nicht in ein Schicksal fügen, das gleichbedeutend mit Sklaverei ist, und verlangt, dass der Römer um sie kämpfen soll. Da sie ahnt, dass ihre Brüder den Römer gewinnen lassen wollen, tritt sie selbst gegen ihn an. Was niemand für möglich gehalten hätte, geschieht: Die junge Frau siegt und blamiert Quintus damit vor ihrem Stamm und seinen eigenen Leuten. Der Römer will seine Niederlage nicht hinnehmen und sinnt auf Rache. Für Gerhild beginnt damit ein verzweifelter Kampf ums Überleben …

Elmar las mit ganzem Einsatz...



So wurde die Fürstentochter Gerhild an diesem Abend in der Nikolaikirche lebendig.
Auch wenn der alte römische Limes nicht durch Freiberg geht und der Roman, im Gegensatz zu Sabine Eberts Büchern, wirklich gar nichts mit Freiberg zu tun hat. Grundsätzlich sind die Freiberger historischen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sicher liegt das auch an der Geschichte der über 850 Jahre alten Stadt.

In einer kurzen Pause gab es wieder Autogramme und nette Unterhaltungen


Ich schaute ein bisschen in die Runde....auf dem Foto ist nur der rechte Teil des Halbrunds zu sehen


Die ehemalige Kirche wird als Veranstaltungsort der Stadt Freiberg genutzt,
nicht mehr als Kirche.


Nach der Pause gab es eine Fragerunde, in der man ganz viel persönliches aus dem Leben der beiden Autoren erfahren konnte.

Wer mehr über die Bücher oder Iny Lorentz erfahren möchte, dem empfehle ich die Webseite

oder die Seite des Knaur Verlags







Verlinkt mit Bunt ist die Welt #69 Fotoprojekt zum Thema Menschen

Freitag, 22. April 2016

Typisch für....meine Kindheit in Leipzig

Heute wird es sehr persönlich und etwas ausführlicher hier auf dem Blog.
Normalerweise drehen sich meine Themen eher um den Garten, die Natur, um schöne Urlaubsreisen und die historische Architektur.
Seitdem ich die Beiträge von Lotta und Magdalena zu Kebos.....typisch für meine Kindheit
gelesen habe, kribbelt es mir aber wahnsinnig in den Fingern.
Die Schwarz-Weiß-Fotos stammen von meinem Vater, der einen tollen Fotoapparat hatte und sie früher selber entwickelt hat.




Ich bin in Leipzig aufgewachsen, wie ihr sicher schon mitbekommen habt. Meine Eltern zogen während des Studiums meines Vaters von Grimma nach Dresden in die Nähe der TU, wo ich meine ersten 2 Lebensjahre gewohnt habe.
. Als ich 2 Jahre war, erhielt mein Vater einen Job in Leipzig-Schkeuditz  und er suchte  damals ein Haus in Leipzig-Wahren.....in Bahnhofsnähe, um gut nach Schkeuditz zu kommen.




Das erste mal umgezogen bin ich also mit 2 Jahren und ich kann mich heute noch erinnern, dass ich bei meiner Oma in Grimma in einen riesigen Umzugs-LKW steigen durfte...wow!
Aufgewacht bin ich dann in einem winzigen Zimmerlein in dem neuen Haus in Leipzig-Wahren.
Dieses Zimmer erhielt später mein zwei Jahre älterer Bruder, während ich mit meiner 7 Jahre älteren Schwester das Mädchenzimmer teilte.
Wir waren manchmal, wie Hund und Katz' und zickig sowieso.



Meine Grimma-Großeltern sind leider sehr zeitig gestorben, als ich 2 Jahre war und ich kann mich kaum erinnern. Mein Großvater väterlicherseits ist im Krieg geblieben. er war Bürgermeister und Kneipeninhaber in einem kleinen Dorf in Schlesien (Niklasdorf). Meine einzige verfügbare Oma war also meine schlesische Großmutter, die es nach Dippoldiswalde-Reichstädt verschlagen hat.
(Osterzgebirge) Schon damals fand ich das Erzgebirge seeehr kalt...:-)



Bei mir hat sich gerade noch nicht eine einzige Tulpe geöffnet...ich hoffe auf das Wochenende..:-)




Ich wurde oft in dem Schaukelpferd geparkt, wenn meine Mutter zu tun hatte, aber ich habe es auch sehr geliebt. Später sind unsere Jungs noch damit geritten.
Ich glaube, mein Bruder war oft sauer auf mich, weil ich alles wollte, was er hatte......:-)
Der Mädchenkram hat mich nicht so interessiert...nur 2 Puppen und ein häßlicher weißer Teddybär mit roter Latzhose....grrr.
Bücher fand ich aber schon immer faszinierend. Ich habe das Lesen gelernt, als meine Mutter mit meinem Bruder geübt hat...da war ich 5 Jahre.




Mein Kindheits-Garten in Leipzig hat meine Gartenleidenschaft schon beizeiten geweckt.

Unser altes Haus aus den 30iger Jahren gehörte vorher einem Biologie-Lehrer-Ehepaar. Entsprechend toll war der Garten gestaltet.



Alles voller Obstbäume. Es gab wirklich alles, was es an heimischen Obst möglich ist und unser Keller war randvoll mit Eingewecktem. Sogar Saft machte mein Vater selber, auch wenn ich den dampfentsafteten Pflaumensaft damals scheußlich fand.
Beim Kirschkompott am Sonntag löffelte ich immer ganz vorsichtig und freute mich mit meiner Schwester, wenn wir die Made am Grund entdeckt...und somit nicht verschluckt hatten.



Ich konnte im Sommer durch den Garten spazieren und immer irgendwo naschen...Erdbeeren, Johannisbeeren. Meine Mutter schimpfte immer über die Kirschendiebe...aber zu DDR-Zeiten konnte man die nicht kaufen....die musste man als Kind echt vom Baum klauen....:-)
Ich dagegen hatte striktes Baumkletterverbot....oh....:-(

selbst ausgesamt von der Korbbepflanzung im letzten Jahr

Meine ersten gärtnerischen Erfolge hatte ich mit der Kastanienzucht im Sandkasten. Sie wuchs eine Weile im Garten, wurde dann vom Vater geköpft, weil Kastanien ja eigentlich keine Gartenbäume sind...jetzt wächst sie in einem Leipziger Hinterhof...:-)
Die Vermehrung von Walderdbeeren machte mir ebenfalls großen Spaß. Dafür musste der Boden unter den Johannisbeersträuchern herhalten, eine Praxis, der ich bis heute treu geblieben bin.

Kastanie hinten rechts im Topf, selbst gezogen 

Der Garten hatte einen Spazierweg, der einmal im Kreis herum ging...dort bin ich fast täglich mit dem Roller langgedüst. Manchmal war ich auf der Straße mit meinen Lieblings-Rollschuhen mit den 4 Rädern,



aber meine Mutter sah das nicht gerne, wenn ich dort spielte. Ich glaube, sie fühlte sich nicht sehr wohl in unserer Siedlung und auch in Leipzig nicht.
Das Gefühl kenne ich gut aus meiner Anfangszeit hier in Freiberg.



Ich ging zuerst auf die Vorschule und Grundschule der ehemaligen 58. Oberschule in Leipzig-Wahren am Opferweg in der Nähe des Leipziger Auensees. Google sagt mir, dass es die Schule noch gibt, aber nahezu ein Lost Place ist...ein wunderbarer Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert.
Ich glaube, die Uhr oben hat damals noch funktioniert.

Bildquelle LVZ

Da der Schulweg unheimlich weit war....ich bin übrigens immer alleine, ohne meine Mutter gegangen und zu Fuß....,
durfte ich ab der 2. Klasse in die neu gebaute Paul-Robeson-Oberschule im oberen Teil von Leipzig-Wahren wechseln, wo ich dann bis zur Klasse 10 mehr oder weniger widerwillig hingegangen bin.
Es gab ein paar Fächer, die ich wirklich hasste und eins davon hieß Staatsbürgerkunde....kurz Stabü....genannt. Am liebsten hatte ich immer Deutsch, Zeichnen und Musik...auch Sport war nicht schlecht.

Der Schulname verpflichtete uns, sich mit dem großartigen Leben von Paul-Robeson auseinander zu setzen....einem farbigen Amerikaner, der sich für die Menschenrechte einsetzte.


Bei mir wächst gerade eine schwarzfarbige Tomate mit gleichem Namen....grins...:-)
Kindheitserinnerungen eben.

Ich war also eine der ersten Schülerinnen dieser damals sehr modernen Schule, die im Moment noch eine Gesamtschule, also Grundschule und Mittelschule, ist, aber aus allen Nähten platzt.
Ich hatte noch Schulgarten-Unterricht und habe dort in den Beeten vor der Schule gebuddelt.
Leider ist das Fach abgeschafft.

renovierte Paul-Robeson-Gesamtschule.....typische DDR-Platte

Wir hatten viele schwererziehbare Kinder in der Klasse, die in das benachbarte Kinderheim gehen mussten. Ich habe gebetet dafür, niemals meine Eltern zu verlieren, nachdem ich die Zustände dort kannte.
Mein zweites Gebet war....lass die Kohle nicht unser Haus wegbaggern.....
zum Glück beschränkte man sich auf den Leipziger Süden, der nun zu einer Seenlandschaft geworden ist.


Da ich eine fleißige Schülerin war und ganz gute Noten hatte, durfte ich nach der 10. Klasse auf eine EOS, sprich Erweiterte Oberschule, gehen, was dem heutigen Gymnasium entspricht.

Hier hatte ich Lücken im Gedächtnis...musste wieder googeln, was aus dieser Vergangenheit geworden ist...:-)



Meine EOS hieß, wie viele Schulen der DDR, Karl Marx. Nichts besonderes und daher nicht so spannend, wie Paul Robeson. Nach der Wende wurde die Schule umbenannt, wie so vieles in den Neuen Bundesländern.
Man findet sie heute unter dem Namen Friedrich-List-Gymnasium, so wie sie schon zu Gründerzeiten im Jahre 1871 als 'Höhere Bildungsschule für Knaben' hieß. Das alte Schulgebäude erwischte der 2.WK...danach wurde eine DDR-Platte gebaut.
Quelle

Das Schulgebäude wurde abgerissen. Punkt. Aber wo ist jetzt das List-Gymnasium...Lotta?
Die Paul-Robeson-Schule in der Jungmannstraße steht dagegen noch...:-)

Sehr erfreulich ist, dass auf dem Gelände der ehemaligen EOS in der Erfurter Straße 9
im Jahr 2013  eine Grundschule ein neues Schulgebäude erhielt, was zu den modernsten Schulgebäuden Sachsens zählen darf.

Foto: Michael Moser Leipzig
Foto: Michael Moser Leipzig
Foto Michael Moser Leipzig

alle Fotos der Kästner-Schule: Quelle (veröffentlicht mit Genehmigung des Fotografen)

Auch der Name der Schule ist wunderbar gewählt...
Nein, hier habe ich keinen Strich vergessen. Aber Erich Kästner wollte, trotz Rechtschreibregel, seinen Namen nicht in Bindestriche eingezwängt sehen, wenn mal eine Schule nach ihm benannt wird.
Dort gibt es das fliegende Klassenzimmer...oder vielleicht doch nicht....dann schaut euch mal den tollen Film an, der in Leipzig gedreht wurde.
Ort: Gymnasium des Thomaner-Chors Leipzig.

Meine erste Grundschule am Opferweg in Wahren, also der Backsteinbau, hat sich für einen bundesweiten Wettbewerb beworben, um renoviert werden zu können.
Ich weiß nicht, was daraus geworden ist....
geplant ist, ein Zurück der Grundschule aus der Paul-Robeson in diese Schule, also der umgekehrte Weg, den ich genommen habe. Ehrlich gesagt wäre mir das auch lieber gewesen.

Konntet ihr mir folgen? Nein? Tut mir leid, dass es so viel geworden ist, aber so eine Kindheit schreibt sich nicht so schnell.....

*****

Ich freue mich, dass mein Sohn in Freiberg in so eine tolle historische und renovierte Grundschule gehen durfte, die Theodor-Körner-Grundschule
*****

So viel ein wenig aus dem Leipziger Leben eines DDR-Kindes....:-)

Könnt ihr euch jetzt vorstellen, warum ich mir so sehr die Neubelebung von Lost Places wünsche?

Die alten Aufnahmen verlinkt zu Fraukes Schwarz-Weiß-Blick #10