Sonntag, 12. Februar 2017

Hortulus des Walahfried

Fencheltee beruhigt den Magen und die Nerven, Zitronenmelisse schmeckt erfrischend in kalten Sommertees, Salbei und Thymian bewähren sich bestens bei der aktuellen Erkältungswelle.
Gut, wenn man das alles selber aus dem Garten ernten kann. Deshalb finde ich, ein Kräuterbeet muss sein. Oder auch mehrere, wenn der Platz da ist. Und wenn nicht, dann gibt es immer noch Töpfe oder Körbe.
Und wenn man die Kräuter nicht erntet, dann blühen sie für die Insektenwelt und für Schmetterlinge. Gerade Lavendel, Salbei und Oregano möchte ich daher gar nicht mehr missen.

Bevor ich aber mit dem Gärtnern loslegen kann, schaue ich mir erstmal den schönen Kräutergarten an, den ich letztes Frühjahr auf der Insel Reichenau entdeckt habe.




Dort befindet sich neben dem Münster St. Maria und Markus der originalgetreue Nachbau des Kräutergartens des Abtes Walahfried Strabo, aus dem 9. Jahrhundert. Also noch vor der Zeit von Hildegard von Bingen.





Strabo schrieb über seine Pflanzen das Lehrgedicht "De cultura hortorum", auch 'Hortulus' (Gärtchen) genannt. Das müsste übersetzt soviel heißen, wie 'Über die Pflege der Gärten'....

Mit seinen 24 Versen beschrieb er in gereimter Form 24 Heilkräuter, Küchen- und Zierpflanzen und die Inspiration dazu kam natürlich aus seinem Klostergarten.
 Man könnte auch sagen, sein gereimter Pflanzenratgeber ist das erste deutsche Gartenbuch. 


Quelle/ Eine Abbildung des Kräutergarten St.Gallen

Im Klostergarten gibt es 24 Kastenbeete und zu jedem Kasten eine Infotafel, die auch einen Auszug des 'Hortulus' enthält. 
Viele der hier wachsenden Pflanzen findet man auch heute noch in den Gärten. 
Auch wenn die Melone oder der Flaschenkürbis sicher das milde Bodenseeklima benötigen, um auch in unseren Breiten Ernteerfolge zu bringen.



Mein erstaunter Blick viel auf die Katzenminze, die heute weniger als Heilpflanze bekannt ist. In meinem Garten diente sie eher den Katzen als Rauschmittel.

'Denn mit dem Öl der Rose vermischt, gibt ihr Saft eine Salbe...die Schrammen verwundeten Fleisches beseitigt..'




Es war Ende März und die Gärtner hatten gerade mit dem Einpflanzen der einjährigen Kräuter zu tun. Die mehrjährigen waren bereits zurückgeschnitten.

Die Poleiminze wurde großzügig  auf dem Kastenbeet verteilt.
Im Mittelalter eine bekannte Heilpflanze, aber sie enthält einen Giftstoff, das Pulegon, und ist daher nur mit Vorsicht für innere Zwecke zu verwenden.




'Glaube mir mein Freund, der Poleientee wird dir heilen,
Sei es als Trank oder Umschlag, den stockenden Gang der Verdauung...'



Die Iris (Deutsche Schwertlilie) beschrieb der Walahfried nicht als Heilkraut, aber nützlich war sie schon:

'Du gibst dem Walker das Mittel, mit dem er das Leinengewebe
glänzend und steif appretiert und ihm Duft, wie von Blumen verleiht....'




Der Schlafmohn wird heute durch eine Zierform ersetzt. Der offizielle Anbau ist wegen Missbrauch (Opium- und Heroingewinnung) verboten. Da macht man auch keine Ausnahme, wenn es um den originalgetreuen Nachbau geht....




Der Weiße Andorn ist mir noch gar nicht bekannt gewesen

'doch vermag er zu lindern arge Beklemmung der Brust.
Geschluckt als bitteres Tränklein.'




Im nächsten Bild wächst vorne der Muskatellersalbei.
Schade, dass ich den Garten nicht im blühenden Zustand gesehen habe.




Die Klostermauern schützen den Garten noch zusätzlich. Die Bank lädt zum Verweilen ein.





Das nächste Mal komme ich im Sommer......

Der Besuch des Münsters St. Maria und Markus, der ältesten Kirche der Insel,  lohnt auf jeden Fall auch.












Münster verlinkt zu Lottas #Gebäuden

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Sigrun,
    jaaa, das Kloster kenne ich und den Kräutergarten auch. Vielen herzlichen Dank für die
    Erinnerung.

    Einen kleinen Kräutergarten haben wir auch hier direkt vor der Nase, ich wollte da schon davon berichten, bin aber noch nicht dazu gekommen. Nun denn, ein anderes Mal.

    Mit lieben Grüßen, eine schöne Woche und einen schönen Sonntag.

    Eva

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  2. ein sehr schöner ausflug, liebe sigrun! ich liebe alte gemäuer und wenn sie dann noch einen so tollen garten haben, dann bin ich erst recht hocherfreut. mich hat der garten an den auf der fraueninsel im chiemsee erinnert, der im september noch in voller blütenpracht stand.
    liebe sonntagsgrüße
    mano

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  3. Spannend, solche Kräutergärten, ob in gross wie hier gezeigt, oder in klein... Ich ziehe jeweils auch so viele Kräuter, wie auf dem begrenzten Platz auf der Südseite möglich sind... Zumeist flexibel in Töpfen. Leider sind dann oft Blattläuse und andere Tierchen daran, so dass ich nicht allzuviel ernten oder gar für den Winter aufbewahren kann... Liebe Grüsse, Miuh

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  4. Hallo Sigrun,
    den Garten habe ich mal im September gesehen. Hinterm Zaun war eine Blumenwiese angelegt worden mit viel Wegerichblättrigem Natternkopf. Das war genauso schön wie der Kräutergarten.
    VG
    Elke

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  5. Hallo liebe Sigrun,
    ich nutze auch jede sich bietende Gelegenheit um Kräutergärten zu besuchen. Irgendetwas Interessantes, Lehrreiches, Nützliches oder Neues entdecke ich immer. Egal ob sie klein oder so großzügig angelegt sind wie deiner hier. Der ist ja richtiges Schmuckstück. So eine schützende Mauer hält kalte Winde ab und speichert die Wärme, so können die Kräuter prima gedeihen. Wenn du wieder mal dort bist, vielleicht zu einer anderen Jahreszeit würde ich mich freuen, wenn wir wieder dabei sein dürfen *zwinker*.

    ♥ ♡ ♥ ♡ ♥ ♡ ♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  6. Hallo Sigrun,
    die alten Klostergärten vermitteln ein Menge teilweise schon vergessenen Heilkräuterwissens... ich besuche auch deshalb alte Klosteranlagen so gern und zudem macht man sich auf die Reise in eine längst vergangene Zeit. Vielen Dank für deinen interessanten und informativen Bericht...zumal der Bodensee eins unserer nächsten Urlaubsziele sein wird. :-)
    Viele liebe Grüße, Marita

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  7. Ein wunderschönes Fleckchen Erde... nicht nur der Klostergarten.
    Der ist allerdings sehr schön angelegt und gepflegt! Interessant, welche Kräutlein sich darin finden!
    Viele Grüße von Margit

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  8. Ein wunderschöner Kräutergarten. Andorn kannte ich bisher auch nicht. Und wie man mit Lilien dem Leinen eine Appretur geben kann, muss ich direkt mal googeln.
    Lieben Gruß und einen schönen Sonntag
    Katala

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  9. Liebe Sigrun,
    was für ein schöner Post und toller Garten!
    Da kann man sich wirklich viele Ideen holen und
    du wirst sicher viele Interessantes für
    deinen neuen Garten gefunden haben!
    Ganz viele liebe Sonntagsgrüße
    sendet dir die Urte

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  10. ...ich mag solche Kräutergärten, liebe Sigrun,
    und das Wissen, um die Heilwirkung der einzelnen Pflanzen...da könnte ich im Garten auch noch viel anbauen, aber alles wächst auch nicht unter unseren Bedingungen...falls du im Sommer mal hin fährst, sag doch vorher Bescheid, vielleicht können wir uns dort treffen?

    liebe Grüße Birgitt

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  11. Liebe Sigrun,
    was für ein inspirierender Kräutergarten! Ich versuche selbst auch immer, mein Balkonkräutergärtchen zu erweitern, aber so viele Kräuter habe ich bei weitem noch nicht zusammen. Stattdessen behelfe ich mir oft mit Wildkräutern. Es klingt auf jeden Fall nach einem schönen Ausflug!
    Liebe Grüße,
    Sarah

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  12. Der Klostergarten ist wirklich beeindruckend! Eine schöne Anlage! Und beim Anblick des Grüns freue ich mich auf den Frühling...;-). LG Lotta.

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  13. Die Reichenau ist ein Herzensort. Schön, dass du mich mal wieder dorthin entführt hast.
    Eine gute neue Woche!
    Astrid

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  14. Heimatliche Gefilde, nur einen Katzensprung entfernt. Die gute alte Gemüseinsel.
    Schön, dass es Dir dort gefallen hat.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  15. Liebe Sigrun,was für ein zauberhafter Kräutergarten!
    Danke, daß Du uns mitgenommen hast! ICh liebe Klostergärten und die Art, wie sie angelegt sind ...manchmal denke ich, was für ein erfüllender Arbeitsplatz ....
    Hab einen guten Start in eine schöne neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  16. Liebe Sigrun, jetzt habe ich endlich wieder Deinen Blog entdeckt, nachdem ich im Herbst die ganze Leseliste verloren habe. Vielen Dank für's Mitnehmen in diesen herrlichen Kräutergarten.

    lg kathrin

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  17. ein wunderschöner Ausflug
    auch wenn es noch nicht blüht ist der Kräutergarten doch in seiner Schlichtheit beeindruckend
    und auch sicher nicht so gut besucht wie im Sommer ;)
    die schöne romanische Kirche rundet das Bild ab
    liebe Grüße
    Rosi

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  18. Das finde ich auch, liebe Sigrun! Ohne Kräuter und auch Wildpflanzen wie Brennessel, geht gar nichts!

    Danke für die schöne Führung! Hoffentlich kommt meine Poleiminze wieder, wo mich Dein Post daran gerade erinnert.

    Liebe Grüße
    Sara

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  19. Danke. Kräuter müssen sein, man kann sie überall halten, Hauptsache Sonne. Unser Hochbeet ist kaputt, ich brauch dieses Jahr ein Neues und will es anders gestalten.

    Sigrun

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  20. Hallo Sigrun,
    ein sehr schöner Kräutergarten. Ich liebe diese Gartenanlagen, weil es immer so viel zu entdecken gibt.
    Viele Grüße,
    Anette

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  21. das ist ja mal ein kräutergarten!!
    und auch der "vorgarten" sieht wunderbar aus. da freut man sich auf den frühling. aber hier ist noch geschlossene schneedecke.....
    :-)
    xxxxx

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  22. Was für ein schöner Kräutergarten besser gesagt wunderschöne Orte zeigst Du. Ich freue mich auch, wenn es bald wieder mit dem gärtnern losgeht, aber ein wenig wird es wohl noch dauern, obwohl die ersten Frühlingsboten schon aus der Erde blicken!
    Kräuterbeete sind etwas ganz besonders schönes, und ich bin sehr froh auch ein kleines zu haben!
    Liebe Grüße sendet
    Kirsi

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  23. Das Gärtnersehnsuchtsherz schlägt jetzt sehr, liebe Sigrun. Danke für diesen wunderschönen Spaziergang! Und ja, unbedingt mal zur Blütezeit hin. Das muss ein Insektenfest sein. Ein ganzes Beet mit Muskatellersalbei... Liebe Grüße Ghislana

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Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst. H. C. Andersen

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